Die Juden und Jesus von Nazareth. Anti- Klausner

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Josef Gedalja Klausner, ein Professor an der Universität Jerusalem, hat ein Buch mit dem Titel »Jesus von Nazareth« geschrie­ben, das in viele Sprachen übersetzt worden ist.

Jedesmal, wenn ich mit einem jüdischen Intellektuellen über den Heiland sprach, beschloss er sein Argument mit den Worten: »Das Jesusproblem ist von Klausner erklärt wor­den.« Im Allgemeinen hatte sich der betreffende gebildete Jude nicht die Mühe gemacht, Klausner zu lesen, hatte jedoch das ungeöffnete Buch in seinem Bücherregal stehen – und das genügte. So brauchte er sich über Jesus nicht mehr den Kopf zu zerbrechen.

Aus diesem Grund hielt ich es für nötig, eine Antwort auf Klausners Buch zu veröffentlichen, die ich >Die Juden und Jesus von Nazareth. Anti-Klausner< nannte.

Klausner zog einen unlauteren Vorteil aus seinem berühm­ten Namen: er konnte sich dessen gewiss sein, dass seine Behauptungen vom Durchschnittsjuden I akzeptiert würden. Das ermöglichte ihm, Erklärungen abzugeben, die völlig unwahr waren, jedoch nie überprüft würden.

Er schreibt beispielsweise, dass bei Paulus kein authenti­scher, historischer Beweis für Jesu Leben und Wirken zu fin­den sei.

Jeder mit den Schriften vertraute Student hätte den Profes­sor in diesem Punkt korrigieren können.

Bei Paulus finden wir sehr viele Einzelheiten über das Leben Jesu. Zum Beispiel sagt er, Jesus sei verraten worden, Er sei von den Juden umgebracht worden, und der Ort Seiner Kreuzigung sei unmittelbar außerhalb Jerusalems gewesen. Paulus berichtet uns auch über Jesu geistige Haltung. Er sagt, Christus »hat die Gemeinde geliebt und sich selbst für sie hin­gegeben« (Eph. 5,25). Er beschreibt Jesu Demut, Seine Sanft­mut und Seine Macht. Vor allem aber erinnert er uns ständig an eine »biographische Einzelheit«, die Klausner unerwähnt gelassen hat, dass nämlich Jesus von den Toten auferstanden ist.

Klausner sagt alles, was ihm gerade passt. Er sagt, dass Jesus in Nazareth geboren wurde. Woher nimmt er das? Die Erwähnung Bethlehems, das in den Evangelien als Geburtsort Jesu bezeichnet wird, war Klausner unangenehm, denn das ist Davids Stadt, und diesen Ort hatten die Propheten als den Geburtsort des Messias vorausgesagt.

Er behauptete, die Geschichte von Salome sei eine Legen­de. Professor Klausner hat einfach beschlossen, dass dem so ist – und Argumente sind überflüssig.

»Johannes der Täufer hielt sich für Elia.« Die Evangelien berichten aber, dass Johannes auf die Frage »Bist du Elia?« geantwortet hat: »Der bin ich nicht« (Joh. 1,21). Professor Klausner besitzt eine Informationsquelle, die für andere Leute nicht verfügbar ist. Er fährt fort, es sei offensichtlich, dass Johannes der Täufer nichts von Jesus gewusst und Ihn nicht als den Messias akzeptiert habe. Die Evangelien, die einzigen historischen Quellen, erklären, Jesus und Johannes seien verwandt gewesen, und letzterer habe Jesus als den Messias ausgerufen. Niemand weiß, woher Klausner seine Informationen hat. Das einzige Argument, das Klausner jedesmal benutzt, wenn er eine Behauptung vorlegt, für die es keinen Beweis gibt, lautet: »Es ist offensichtlich, dass das so ist. «

Er entschuldigt Judas Iskariot und macht ihn zum gebilde­ten Juden mit einem klaren Verstand. Der Bericht vom Verrat an Jesus ist nur eine Legende.

Ebenso wie alle abstoßenden Einzelheiten über Judas beiseite geschoben werden, werden auch alle Jesus zugeschrie­benen liebenswerten Eigenschaften als Legende abgetan. Klausner lehnt es ab, zu glauben, dass Jesus am Kreuz für Seine Folterknechte gesagt hat: »Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun« (Luk. 23,34). Sein Argument lau­tet ganz einfach, dass Jesus unter solchen furchtbaren Umstän­den diese Worte nicht gesagt haben konnte. Ich selbst habe Männer und Frauen, Jünger Jesu, gekannt, die dieselben Worte unter grausamen Folterungen gesprochen haben und die darüber hinaus die erstbeste Gelegenheit ergriffen, ihren Folterknechten Gutes zu tun. Doch Professor Klausner hat ganz einfach beschlossen, dass es Liebe dieser Art nicht gibt.

Die Evangeliengeschichte von der Auferstehung Jesu tut er rasch ab und erklärt, es sei offensichtlich (ein fabelhafter Aus­druck, der den Autor von der Notwendigkeit der Beweis­führung befreit), dass Josef von Arimatäa den Leichnam aus dem Grab entfernt habe.

Er meint, »eine Auferstehung ist unverständlich«. Es gibt sehr vieles, das unverständlich ist. So unverständlich es auch erscheinen mag: es gibt tatsächlich einen gelehrten Professor, der, anstatt mit der Analyse von Tatsachen und Dokumenten anzufangen, gewisse Vorurteile bezüglich dessen, was Gott tun kann oder nicht, vorschiebt.

Nachdem er Hunderte von Seiten geschrieben hat, ohne einen Beitrag zum Problem von Jesu Leben zu liefern, disku­tiert Klausner die Unterschiede zwischen dem Judaismus und der Lehre Jesu. In diesem Zusammenhang erklärt er, dass ein Volk nicht mit Hilfe eines abstrakten Glaubens und einer uni­versellen menschlichen Ethik fortbestehen könne. Es bedürfe einer praktischen Religion, deren Formen in der Lage seien, Ideen Ausdruck zu verleihen, und das tägliche Leben mit Hei­ligkeit zu durchdringen. »Jesus hat uns keine neuen Wege für unser nationales Leben gezeigt.« Mit der Annahme der Lehre Jesu »würden das nationale Leben und der Nationalstaat völ­lig verschwinden«. »Seine Lehre enthält keine Elemente, die den Staat erhalten und die Gemeinschaft steuern können.« ­»Jesus ist gekommen, um die Kultur abzuschaffen.«

Wie soll man darauf zweitausend Jahre nach dem Kommen Jesu antworten? Offenbar hat Professor Klausner noch nie etwas von christlicher Kultur gehört und weiß nichts von den noch immer bestehenden Nationalstaaten, die dank des Chri­stentums gegründet und erhalten wurden. Wie kann er die Tatsache erklären, dass alle Völker Europas und Amerikas sowie sehr viele afrikanische Völker unabhängige National­staaten haben, ungeachtet der Tatsache, dass sie das Christen­tum angenommen haben, das laut Klausner doch Staat, Volk und Kultur zerstört?

Ich könnte weiterfragen: »Was haben denn die Feinde Jesu, Kaiphas, Hannas und die anderen mit dem jüdischen Staat gemacht?« Sie beseitigten mit Erfolg die große Gefahr, die Jesus darstellte, unter dem Vorwand, das sei notwendig, wenn der jüdische Nationalstaat erhalten werden sollte. Es waren dieselben Männer, die den jüdischen Staat ins Unglück trie­ben. Die Geschichte hat den Beweis geliefert, dass das Chri­stentum Staaten gründet und erhält, wohingegen das Pha­risäertum einen Staat zerstört. Wie ist es möglich, diese offen­sichtlichen historischen Beweise zu übergehen?

Klausner sagt, der Judaismus könne die Bezeichnung »Sohn Gottes« oder einfach »Gott« für den Messias nicht akzeptieren, obgleich der Gedanke selbst jüdischer Herkunft ist. Wenn aber der Gedanke des Sohnes Gottes jüdisch ist, dann liegt es klar auf der Hand, dass nur diejenigen ihn ableh­nen können, die auf das Erbe ihres Volkes verzichtet haben. Laut Klausner, der jegliche Form der Logik missachtet, sind die Renegaten, die den jüdischen Gedanken akzeptiert haben.

Die Lehre Jesu, diejenigen zu lieben, die uns Unrecht tun, gefällt Klausner nicht. Er sagt, die menschliche Gesellschaft würde nicht fortbestehen, wenn jedes Unrecht ungestraft blie­be. Doch warum verschwand der jüdische Nationalstaat vor zweitausend Jahren? Die Juden erhoben sich gegen die Ungerechtigkeit des römischen Reiches. Die Folge war, dass der jüdische Staat von der Bildfläche verschwand. Man hätte erwarten können, der Professor würde aus diesem und aus ungezählten ähnlichen Ereignissen schließen, dass die menschliche Gesellschaft nicht weiterbestehen kann, wenn wir Böses mit Bösem vergelten und wenn wir uns gegen Ungerechtigkeit erheben. Seit Tausenden von Jahren gehen Staaten unter; blutrünstige Kriege werden ausgetragen, Mil­lionen und aber Millionen sind umgebracht worden, weil eine Seite sich weigerte, die Ungerechtigkeiten der anderen zu ertragen, und nicht Böses mit Liebe vergelten konnte. Das ist eine historische Tatsache. Es gibt schwere Lagen in denen Gewalt gerechtfertigt ist, doch die Grundhaltung sollte Liebe sein.

Wenn Jesus »liebe deine Feinde« lehrt, dann meint er nicht wortwörtlich die Nichtanwendung von Gewalt, ganz gleich, was auch immer um uns herum geschieht. Er selbst hat hefti­ge Worte und auch die Peitsche gebraucht. Noch ist die Welt nicht für Gewaltlosigkeit reif. Bedauerlicherweise muss man mitunter Feinde des eigenen Volkes vernichten. Doch nichts kann mich dazu zwingen, sie zu hassen. Gott sieht nicht unse­re von den Umständen diktierten Taten an. Der Wunsch zu töten muss hier getilgt werden. Hier darf nur die Liebe regie­ren. Und am Ende wird sie auch über äußere Umstände tri­umphieren.

Es ist nicht falsch, wenn ein Volk Liebe gegenüber denjeni­gen übt, die ihm Unrecht tun. Professor Klausners Vorwurf gegen Jesus ist ungerecht. In der Regel verschwinden Völker nicht von der Bildfläche, weil sie Liebe geübt haben.

Klausner erklärt, der Judaismus sei in seiner Gesamtheit von dieser Welt. Aus diesem Grunde hätten die Juden Ihn ver­schmäht, dessen Königreich nicht von dieser Welt sei, son­dern dem Bereich der reinsten Wahrheit angehöre. »Er kann nicht der Messias des jüdischen Volkes sein.«

Wenn man beurteilen will, ob jemand der Messias ist oder nicht, wäre es wohl wissenschaftlich korrekt, zuerst einmal klar zu definieren, was dieses Wort bedeutet, welche Metho­den zur Erkennung des wahren Messias zur Verfügung stehen und schließlich zu untersuchen, ob die in Frage kommende Person diese Bedingungen erfüllt.

Klausner hat keine Studien dieser Art durchgeführt. Ich habe es in meinem Buch für ihn getan und dabei betont, dass durch Jesus alle Weissagungen über den Messias, der die Sün­den der Menschheit durch Sein Leiden sühnt, und auch wei­tere biblische Prophezeiungen erfüllt worden sind.

Von diesen Prophetien gibt es sehr viele, und sie sind das Thema eines großen Bestandes an Literatur. Ohne sie im ein­zelnen zu behandeln, wäre es vielleicht doch sinnvoll, zumin­dest eine dieser Voraussagen zu erwähnen, die nur eine einzi­ge Auslegung zulässt, da sie mathematisch fundiert ist.

Der Prophet Daniel, der etwa sechshundert Jahre vor Chri­stus lebte, sagte mit erstaunlicher Genauigkeit das Jahr vor­aus, in dem der Messias umgebracht werden würde: es war das Jahr, in dem Jesus gekreuzigt wurde.

Wer sich unvoreingenommen mit dieser Prophetie beschäf­tigt, wird erkennen, dass das Warten auf einen anderen Mes­sias zwecklos ist. Der Talmud erklärt: »Die für das Kommen des Messias festgesetzte Zeit ist verstrichen, doch der Mes­sias ist nicht gekommen.« Da der Talmud Jesus als Messias abgelehnt hatte, blieb ihm keine andere Lösung, als Gott zum Lügner zu erklären, weil Er Sein Versprechen nicht gehalten hat und die vorausgesagte Zeit für das Kommen des Messias verstreichen ließ, ohne Sein Wort zu halten.

Sehen wir uns doch einmal den Bibeltext an: »Siebzig (Jahr-) Wochen sind verhängt über dein Volk und über deine heilige Stadt«, erklärte der Erzengel Gabriel dem Daniel etwa 538 v. Chr., »dann wird dem Frevel ein Ende gemacht und die Sünde abgetan und die Schuld gesühnt, und es wird ewige Gerechtigkeit gebracht und Gesicht und Weissagung erfüllt und das Allerheiligste gesalbt werden. So wisse nun und gib acht: Von der Zeit an, als das Wort erging, Jerusalem werde wieder aufgebaut werden, bis ein Gesalbter, ein Fürst, kommt, sind es sieben Wochen; und zweiundsechzig Wochen lang wird es wieder aufgebaut sein mit Plätzen und Gräben, wiewohl in kummervoller Zeit. Und nach den zweiundsech­zig Wochen wird ein Gesalbter ausgerottet werden und nicht mehr sein … « (Dan. 9,24-26).

Das ergäbe insgesamt 69 (Jahr-) Wochen, oder anders gesagt: neunundsechzig mal sieben, also vierhundertdreiun­dachtzig Jahre, angefangen von dem Zeitpunkt, da der Befehl zum Wiederaufbau Jerusalems erteilt wurde, bis zum Tode des Messias.

Und nun wollen wir die tatsächlichen Ereignisse prüfen:

König Xerxes (Artaxerxes) von Persien begann seine Herr­schaft im Jahre 465 v. Chr. Im Kapitel 2 des Buches Nehemia lesen wir, dass er im zwanzigsten Jahr seiner Herrschaft den Wiederaufbau Jerusalems erlaubte. Mit anderen Worten: es waren neunzehn Jahre vergangen, die wir abziehen müssen. Folglich wurde der Befehl zum Wiederaufbau Jerusalems im Jahre 446 v. Chr. gegeben.

Gemäß der Prophetie würde der Messias vierhundertdrei­undachtzig Jahre nach diesem Ereignis getötet werden. Um der Genauigkeit willen sollten wir daran denken, dass Daniel das Jahr nach dem alt jüdischen Kalender berechnet hat, das aus dreihundertsechzig Tagen bestand, im Gegensatz zu unse­rem Kalenderjahr, das dreihundertfünfundsechzig und einen viertel Tag hat.

Das bedeutet, dass wir das jüdische Kalenderjahr auf unsere gegenwärtige Zeitrechnung umwandeln müssen:

483 Jahre mal 360 Tage (entsprechend dem hebräischen Kalender) ergeben 173.880 Tage.

173.880 Tage geteilt durch 365 1/4 (unser heutiges Kalen­derjahr) ergeben 476 Jahre.

Also müssen vom Jahre 446 v. Chr. vierhundertsechsund­siebzig Jahre bis zum Tode des Messias verstreichen. Mit anderen Worten: dieses Ereignis würde nach unserem Kalen­der in das Jahr 30 n. Chr. fallen.

Die Kreuzigung Jesu fand in genau diesem Jahr statt.

Es ist eine wohlerwiesene Tatsache, dass im sechsten Jahr­hundert n. Chr., als man die Trennung zwischen vor- und nachchristlicher Zeit vornahm, ein mathematischer Fehler bei der Berechnung gemacht worden ist. Die Geburt Christi wurde auf ein Datum festgesetzt, das vier Jahre nach Seiner tatsächlichen Geburt liegt. Das Jahr 30 n. Chr. ist nach unse­ren modernen Berechnungen in Wirklichkeit das vierund­dreißigste Lebensjahr Jesu. Und in Seinem vierunddreißig­sten Lebensjahr, im Jahre 30 der christlichen Zeitrechnung, wurde Jesus, genau wie Daniel es vorhergesagt hatte, gekreu­zigt.

Es dauerte nicht lange, bis Gottes Rache zuschlug. Daniel hatte geweissagt, nach dieser unvergleichlichen Missetat »kommt das Ende durch eine Flut, und bis zum Ende wird es Krieg geben und Verwüstung, die längst beschlossen ist« (Dan. 9,26).

Wir wissen, dass wenig später Titus’ Armee Palästina ver­heerte, dass das Land völlig verwüstet, der Tempel niederge­brannt und keine Opfer mehr dargebracht wurden.

Raschi, einer der führenden Bibelkommentatoren}, hat erkannt, dass Titus diese Prophezeiungen erfüllte. In diesem Fall muss aber der Messias ein Mann sein, der umgebracht wurde, ehe Titus seinen großen Triumph genoss. Dieser Mann ist Jesus; es kann kein anderer sein.

Professor Klausner war einer der vielen Intellektuellen der jüdischen Führung, der irregeführt wurde. Es ist erstaunlich, dass eine Nation solcher Intelligenz und Zivilisation ein Buch akzeptieren kann, das ein so niedriges Niveau besitzt. Im letz­ten Kapitel seines Buches fällt Klausner in Tiefen der Lächer­lichkeit mit der Bemerkung »Jesus wurde Christ«. Und das wird von einem Universitätsprofessor geschrieben! Er hätte ebenso gut sagen können: Mohammed wurde Mohammedaner.

Richard Wurmbrand

Quelle: Christus auf der Judengasse

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